Einheit
Finanzierung von FOSS
Wie finanziert sich FOSS und warum investieren Unternehmen in FOSS?
Lernziel
Nach dieser Einheit verstehst du, wie die Entwicklung und Pflege von FOSS finanziert werden und warum Unternehmen in frei verfügbare Software investieren.
Finanzierung der Entwicklung von FOSS
Auch bei der Entwicklung von FOSS entstehen Kosten. Den größten Anteil machen häufig die Arbeitszeit für Entwicklung, Tests, Dokumentation, Sicherheitsupdates und Community-Management aus. Hinzu kommen beispielsweise Ausgaben für Entwicklungsinfrastruktur, Sicherheitsprüfungen, Veranstaltungen oder rechtliche Beratung. Auch FOSS verursacht damit viele der Aufwands- und Kostenarten, die bei proprietärer Software anfallen.
Für die Finanzierung eines Projekts ist entscheidend, woher Arbeitszeit, Geld und Infrastruktur kommen. In der Praxis kombinieren viele Projekte mehrere der folgenden Quellen.
Ehrenamtliche Beiträge
Viele FOSS-Projekte werden von einzelnen Personen angestoßen, die motiviert sind, ein konkretes Problem zu lösen, eine Technologie kennenzulernen oder etwas an eine Community zurückzugeben. Neben Quellcode tragen sie Dokumentation, Übersetzungen, Tests, Designs oder Unterstützung für andere Nutzende bei. Dies erfolgt meist in der Freizeit.
Welche Bedeutung ehrenamtliche Beiträge haben, unterscheidet sich stark von Projekt zu Projekt. Wenn sich neue FOSS-Projekte schnell verbreiten und der Wartungsaufwand steigt, findet häufig eine Professionalisierung statt, bei der bezahlte Arbeit die ehrenamtlichen Beiträge ergänzt und später oft fast vollständig ersetzt.
Finanzierung durch Unternehmen
Unternehmen finanzieren FOSS häufig, weil sie selbst von einem Projekt abhängig sind oder darauf eigene Produkte und Dienstleistungen aufbauen. In vielen häufig genutzten FOSS-Projekten leisten Unternehmen einen erheblichen Anteil der Entwicklungs- und Pflegearbeit. Die Unterstützung kann unterschiedliche Formen annehmen:
- Beschäftigte erhalten ausdrücklich Arbeitszeit zugewiesen, um Fehler zu beheben, Funktionen zu entwickeln oder Verantwortung als Maintainer zu übernehmen.
- Bei einer Auftragsentwicklung bezahlt ein Unternehmen interne oder externe Entwicklerinnen und Entwickler für eine konkrete Erweiterung, die anschließend in das FOSS-Projekt eingebracht wird.
- Durch Sponsoring werden Projekte, einzelne Maintainer, Veranstaltungen oder Infrastruktur direkt finanziert.
- Unternehmen stellen Sachleistungen wie Build-Systeme, Serverkapazität oder Testhardware bereit.
Stiftungen und andere Trägerorganisationen
Organisationen wie die Linux Foundation, die Apache Software Foundation oder die Eclipse Foundation sind zwar keine Finanzierungsquelle im eigentlichen Sinne, spielen für FOSS-Projekte aber eine große Rolle. Sie können Geld, Markenrechte und Infrastruktur für Projekte verwalten. Dadurch bieten sie einen rechtlichen und organisatorischen Rahmen, in dem mehrere Unternehmen und Einzelpersonen gemeinsam investieren können. Eine solche Organisation finanziert nicht die gesamte Entwicklung selbst. Sie kann aber Beiträge bündeln, Verträge abschließen, Veranstaltungen organisieren und eine neutrale Verwaltung der Mittel ermöglichen.
Spenden, Crowdfunding und Bounties
Privatpersonen und Unternehmen können Maintainer oder Projekte einmalig oder regelmäßig unterstützen, z.B. über Plattformen wie GitHub Sponsors. Regelmäßige Beiträge sind für laufende Wartung meist hilfreicher als schwer planbare Einzelspenden.
Crowdfunding finanziert häufig klar definierte Erweiterungen oder Anpassungen für ein FOSS-Projekt und kann einen Anstoß für neue Arbeiten geben. Für deren langfristige Pflege werden jedoch weitere Ressourcen benötigt. Bei Bounties wird eine Belohnung für die Umsetzung einer bestimmten Funktion oder die Behebung eines konkreten Fehlers ausgesetzt. Der Erfolg von Crowdfunding-Kampagnen und Bounties hängt unter anderem von der Sichtbarkeit des Projekts und dem Interesse an dem jeweiligen Vorhaben ab.
Öffentliche und institutionelle Förderung
Forschungsprogramme, Stiftungen und öffentliche Einrichtungen fördern FOSS, wenn daraus ein gesellschaftlicher, wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Nutzen entsteht. Ein Beispiel ist der deutsche Sovereign Tech Fund, der offene digitale Basistechnologien unterstützt. Ähnlich wie bei Spenden und Crowdfunding ist das finanzielle Engagement häufig zeitlich und inhaltlich begrenzt. Ein Projekt benötigt daher meist einen Plan für die Zeit nach dem Förderzeitraum.
Quersubventionierung aus anderen Produkten und Dienstleistungen
Bei der Quersubventionierung fließt ein Teil der Einnahmen aus kommerziellen Produkten oder Dienstleistungen in die Entwicklung eines offenen Projekts. Das FOSS-Projekt verbessert wiederum die Grundlage des kommerziellen Angebots, vergrößert dessen Verbreitung oder schafft ein Ökosystem. Wie viel der Einnahmen tatsächlich in das offene Projekt zurückfließt, entscheidet das Unternehmen. Ein erfolgreiches Geschäftsmodell führt deshalb nicht automatisch zu einer nachhaltigen Finanzierung aller Aufgaben im zugrunde liegenden FOSS-Projekt.
Übersicht der Finanzierungsquellen von FOSS
| Finanzierungsquelle | Schwerpunkt | Nachhaltigkeit |
|---|---|---|
| Ehrenamtliche Beiträge | Persönliche Motivation, Problemlösung, Lernen und Beiträge in der Freizeit | Eher gering bis mittel; abhängig von der verfügbaren Zeit und Motivation einzelner Personen |
| Finanzierung durch Unternehmen | Bezahlte Arbeitszeit, Auftragsentwicklung, Sponsoring und Sachleistungen aufgrund eigener wirtschaftlicher Interessen | Mittel bis hoch, solange das Projekt für die beteiligten Unternehmen strategisch relevant bleibt |
| Stiftungen und andere Trägerorganisationen | Verwaltung von Mitteln, Infrastruktur, Markenrechten und rechtlichen oder organisatorischen Aufgaben | Hoch für dauerhaft etablierte Strukturen; die Finanzierung bleibt jedoch von Mitgliedern, Sponsoren und anderen Geldgebern abhängig |
| Spenden, Crowdfunding und Bounties | Direkte Unterstützung von Maintainern sowie Finanzierung konkreter Vorhaben oder Fehlerbehebungen | Eher gering bis mittel; Einnahmen sind oft schwankend, zeitlich begrenzt und von der Sichtbarkeit des Projekts abhängig |
| Öffentliche und institutionelle Förderung | Finanzierung gesellschaftlich, wissenschaftlich oder wirtschaftlich relevanter Entwicklungs- und Pflegearbeiten | Mittel während des Förderzeitraums; für die Zeit danach wird meist eine Anschlussfinanzierung benötigt |
| Quersubventionierung aus anderen Produkten und Dienstleistungen | Einnahmen aus kommerziellen Angeboten finanzieren die Weiterentwicklung des FOSS-Projekts | Mittel bis hoch, sofern das kommerzielle Angebot erfolgreich bleibt und das Unternehmen weiter in das Projekt investiert |
Warum Unternehmen FOSS finanzieren
Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich, Software zu finanzieren, die auch andere Unternehmen nutzen und weiterentwickeln dürfen. Diese Investition kann dennoch wirtschaftlich sinnvoll sein.
Ist ein Unternehmen von einer FOSS-Komponente abhängig, kann es durch eigene Beiträge die Behebung von Fehlern beschleunigen, fehlende Funktionen ergänzen und internes Wissen aufbauen. Beiträge zum entsprechenden Projekt verringern außerdem den Aufwand, dauerhaft eine eigene, abweichende Version pflegen zu müssen. Einfluss auf die Weiterentwicklung entsteht dabei durch Fachwissen, verlässliche Mitarbeit und die Beteiligung an den vorgesehenen Entscheidungsprozessen, nicht allein durch die Höhe der Finanzierung oder die Anzahl der Codebeiträge.
Besonders bei nicht differenzierenden Basistechnologien lohnt sich die gemeinsame Entwicklung. Unternehmen konkurrieren mit ihren Produkten, die auf den Basistechnologien aufbauen, benötigen darunter aber dieselben Betriebssysteme, Bibliotheken, Standards oder Entwicklungswerkzeuge. Durch Zusammenarbeit können sie Kosten und Risiken verteilen.
Eine offene Plattform kann zudem ein großes Ökosystem aus Nutzenden, Erweiterungen, Dienstleistern und kompatiblen Produkten hervorbringen. Ihre weite Verbreitung kann sie zu einem De-facto-Standard machen und die Nachfrage nach ergänzenden Angeboten erhöhen. Sichtbare Mitarbeit an anerkannten Projekten erleichtert außerdem den Zugang zu externen Innovationen und Communities, stärkt die technische Reputation und kann beim Recruiting helfen.