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Automotive Software Engineering Free and Open Source Software

Einheit

Einführung in FOSS

Wie unterscheidet sich Free and Open Source Software von Freeware und proprietärer Software?

4 Minuten

Lernziel

Nach dieser Einheit kannst du erklären, was Free and Open Source Software ausmacht, wie sich FOSS von Freeware und proprietärer Software unterscheidet und warum Freiheit, Quellcodezugang, Lizenzbedingungen und Betriebskosten gemeinsam betrachtet werden müssen.

Free and Open Source Software

Free and Open Source Software (FOSS) bezeichnet Software, die unter einer Lizenz veröffentlicht wird, welche den Nutzerinnen und Nutzern weitreichende Freiheiten einräumt. Dazu gehören das Verwenden, Analysieren, Verändern und Weiterverbreiten des Programmcodes. „Open Source“ betont den offenen Zugang zum Quellcode, der die Grundlage für eine transparente und gemeinschaftliche Weiterentwicklung bilden kann. „Free“ steht dabei nicht zwingend für kostenlos, sondern für die Freiheit im Umgang mit der Software im Sinne von Kontrolle über die eigene Software. Teilweise wird deshalb auch von Free/Libre Open Source Software (FLOSS) gesprochen.

FOSS entsteht oft durch die Zusammenarbeit einer weltweiten Gemeinschaft von Entwicklerinnen und Entwicklern, die ihr Wissen teilen, Fehler beheben und neue Funktionen hinzufügen. Eine solche Zusammenarbeit kann Transparenz, Sicherheit und Flexibilität fördern, wenn ausreichend viele Beteiligte den Quellcode prüfen und die Software kontinuierlich weiterentwickeln. Bekannte Beispiele für FOSS sind das Betriebssystem Linux oder Anwendungen wie das Büropaket LibreOffice.

Organisationen, die sich für Open Source oder Freie Software einsetzen, gewichten einzelne Aspekte unterschiedlich. Daraus haben sich verschiedene Begriffe und Lizenzbewertungen entwickelt.

Definition der Open Source Initiative

Eine weithin anerkannte Definition des Begriffs Open Source Software stammt von der Open Source Initiative (OSI). Diese wendet den Begriff Open Source auf Software an, deren Lizenzverträge den folgenden drei charakteristischen Merkmalen entsprechen und die zehn Punkte ihrer Open-Source-Definition erfüllen:

  1. Die Software liegt in einer für Menschen lesbaren und verständlichen Form vor.
  2. Die Software darf beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden.
  3. Die Software darf verändert und in veränderter Form weitergegeben werden.

Definition der Free Software Foundation

Während die Open-Source-Perspektive den offenen Entwicklungsprozess und praktische Vorteile wie Transparenz, Qualität und gemeinschaftliche Innovation betont, stellt die Free-Software-Bewegung die Freiheit der Nutzerinnen und Nutzer in den Mittelpunkt. Die Definition der Free Software Foundation (FSF) stützt sich auf ethische und soziale Argumente – Nutzerinnen und Nutzer sollen die Kontrolle über die Software behalten und nicht vom Hersteller eingeschränkt werden.

Die Free Software Foundation spricht von Free Software, wenn folgende vier Freiheiten gewährleistet sind:

  1. Ausführen – Das Programm darf für jeden Zweck uneingeschränkt genutzt werden.
  2. Untersuchen und Anpassen – Den Quellcode einsehen und die Software an eigene Anforderungen anpassen.
  3. Weiterverbreiten – Kopien der unveränderten Software weitergeben.
  4. Weitergeben veränderter Versionen – Modifizierte Versionen an andere weitergeben.

Open-Source-Software und Freie Software haben gemeinsam, dass der Quellcode zugänglich ist und Lizenzen weitreichende Rechte zur Nutzung, Untersuchung, Veränderung und Weitergabe einräumen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch findet häufig keine klare Trennung zwischen den beiden Perspektiven statt. Der weit verbreitete Begriff Open-Source-Software kann sich auf die Sichtweise der OSI, der FSF oder auf beide beziehen. Der Begriff FOSS fasst beide Perspektiven zusammen und wird deshalb in diesem Lernpfad bevorzugt. Viele weitverbreitete Lizenzen werden von beiden Organisationen als frei beziehungsweise als Open Source anerkannt; ihre Bewertungen und Lizenzlisten sind jedoch nicht vollständig deckungsgleich.

Freeware und proprietäre Software

Proprietäre Software zeichnet sich dadurch aus, dass der Quellcode in der Regel nicht frei zugänglich ist und Nutzerinnen und Nutzer durch die Lizenz-/Nutzungsbedingungen stark eingeschränkt werden, wie und wozu sie die Software verwenden können. Die Rechte von Nutzerinnen und Nutzern sind häufig schwer nachzuvollziehen, da mehrere umfangreiche Regelungen ineinandergreifen können, darunter Lizenz- und Nutzungsbedingungen, Preisübersichten sowie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Unternehmen. Ein Teil dieser Regelungen kann in einem End User License Agreement (EULA) zusammengefasst sein.

Ohne Zugriff auf den Quellcode ist die Funktionsweise der Software nur schwer nachvollziehbar und Änderungen an der Software sind kaum möglich. Oftmals werden Änderungen durch die Lizenz-/Nutzungsbedingungen zudem explizit untersagt. Der Begriff Freeware bezeichnet proprietäre Software, die kostenfrei angeboten wird, wobei die Anbieter oft Umsätze indirekt durch Werbung oder kostenpflichtige Zusatzfunktionen generieren.

Vergleich von FOSS, Freeware und proprietärer Software

MerkmalFOSS (Free and Open Source Software)FreewareProprietäre Software
Kostenmeist kostenlos erhältlich (ggf. kostenpflichtige Angebote wie Support und Hosting verfügbar)meist kostenlos erhältlich (ggf. kostenpflichtige Zusatzfunktionen)kostenpflichtig (Kauf-/Nutzungsgebühren)
Quellcodeimmer offen einsehbarmeist nicht zugänglichmeist nicht zugänglich (evtl. gegen Zusatzkosten)
Nutzungsrechteim Rahmen der jeweiligen FOSS-Lizenz nutzbar, modifizierbar und weiterverteilbarnutzbar, aber meist nicht modifizierbar, häufig in einem EULA geregeltmeist strikte Nutzungsbedingungen und keine Erlaubnis zur Modifikation
Supportteilweise Unterstützung durch aktive Community (ggf. kostenpflichtige Angebote verfügbar)meist nicht verfügbarmeist kostenpflichtig (evtl. in Kauf-/Nutzungsgebühren enthalten)

Kosten von FOSS

Bei der Kostenbetrachtung von FOSS muss berücksichtigt werden, dass der freie Zugang zum Quellcode und die durch die Lizenz gewährten Nutzungsrechte sich nur auf einen Teil der Kosten von Software auswirken. Inbetriebnahme, Betrieb und Pflege verursachen in der Regel einen erheblichen Teil der Gesamtkosten (Total Cost of Ownership). Ausführlichere Betrachtungen zu Kosten von FOSS finden sich in der Einheit Unternehmensstrategie.

Referenzen

Kontrollfragen
Wofür steht "Free" in Free and Open Source Software im fachlichen Sinn vor allem?
Welche Merkmale gehören laut Einheit zu Open-Source-Software im Sinne der Open Source Initiative?
Freeware ist automatisch FOSS, weil sie kostenlos angeboten wird.
Welche Aussagen beschreiben proprietäre Software im Vergleich zu FOSS zutreffend?
Warum bedeutet FOSS nicht automatisch, dass keine Kosten entstehen?